Als mir einmal mein Rucksack gestohlen wurde

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Ich wohne mitten in der Stadt. Ich besitze kein Auto und an einem Donnerstag vor etwa vier Wochen fuhr ich mit dem Fahrrad nach der Arbeit zu mir nach Hause. Es schneeregnete ein bisschen, und es war schon dunkel. Als ich ankam und nach hinten in den Fahrradkorb schaute, war eine Tasche mit DVDs noch da, aber mein Rucksack war weg. Darin war alles, was Frau so braucht: mein Portemonnaie mit allen wichtigen Karten, mein Handy, mein Notizheft …

Aber es gab auch eine gute Nachricht: meinen Laptop, den ich sonst mit im Rucksack transportiere, hatte ich im Schneideraum gelassen, wo ich zu der Zeit arbeitete.

Danach hatte ich die übliche Arie an der Backe: bei der Polizeiwache den Diebstahl melden, Karten sperren usw usw. Ihr könnt euch vorstellen, wie es mir ging. Die Aussicht, die ganzen Sachen in der nächsten Zeit neu zu beantragen, mit langen Wartezeiten abzuholen, die Kosten… Aber dann kam es doch ein bisschen anders.

Fünf Tage später saß ich immer noch ohne Papiere und Handy in einem Café und sah plötzlich auf meinem Uralt-Smartphone (ihr kennt das: zerbrochenes Display), das ich ohne Simkarte (d.h. telefonieren war nicht möglich) bei Wlan benutzen konnte, eine E-Mail von einer Kollegin mit einer freudigen Nachricht: in der Firma, für die ich oft arbeite, hatte jemand angerufen, der meinen Rucksack gefunden hatte! Mit Portemonnaie drin. Und Visitenkarte der Firma.

Der Finder hatte in Leverkusen am Rhein geangelt und dabei den Rucksack am Ufer entdeckt. Weit weg vom Verlustort: Wasserweg etwa 18 Kilometer.
Schmutzig und nass wie er war, hatte er den Rucksack seinem Schicksal überlassen und nur das Portemonnaie mitgenommen. Ich ließ mir von ihm den Fundort beschreiben und fuhr mit meinem Sohn, seiner Freundin und meinem Lebensgefährten zur Leverkusener Brücke.
Rucksack_fetteslebenEs war ein schöner kalter Wintertag, wie geschaffen für einen Spaziergang am Rhein.
Es war gar nicht so einfach und erforderte noch mehrere Anrufe beim Finder, aber schließlich fanden wir den Rucksack. Vermutlich hat der Dieb/die Diebin ihn in den Rhein geworfen und der Reise durchs Wasser wurde er am Ufer angespült. Der Inhalt war größtenteils auf dem Boden verteilt. Ich habe einiges gefunden, was noch ok war und was ich jetzt, nach intensiver Reinigung, wieder benutzen kann. Beispielsweise meine (guten) Kopfhörer – sie funktionieren noch. Oder meine Regenhose. Und den Rucksack selbst.

Der Finder wohnt im Bergischen Land. Er hatte das Portemonnaie und seinen Inhalt schon getrocknet. Alle Karten waren noch da, auch mein Personalausweis und der (schmutzige) Führerschein. Natürlich hat er von mir einen Finderlohn bekommen. Ich finde es so toll, dass er mir geholfen hat!Rucksackfinder_fettesleben

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Ende vom Lied: Nun trage ich meine wichtigen Sachen beim Fahrradfahren immer am Körper und werde mir wahrscheinlich einen zweiten Fahrradkorb vorne ans Fahrrad machen lassen, um den Rucksack dort ablegen zu können, wenn er mir bei längeren Strecken zu schwer wird.

 

Kai_Claudia_Rucksack_fettesleben

Mein Sohn Kai mit noch halbwegs brauchbaren Unterlagen aus dem Rucksack. Diese witzige Karte (“Ich schmeiße alles hin und werde Prinzessin”) hat mir letztens eine Freundin zum Geburtstag geschenkt.

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