Er ist eine krasse Säule in meinem Leben

von 0 4

Sieben Fragen über Freundschaft: Malte und Kai

Wie habt ihr euch kennengelernt?

Kai: An einem Filmabend. Da haben wir meinen Lieblingsfilm geschaut, zum ersten Mal.

Malte: Lammbock. Mit Moritz Bleibtreu. Den fand ich total toll. Ich war 14 und hatte gerade seit drei Wochen meine erste Freundin. Ich machte Musik und sie hat immer von Kai erzählt, ihrem besten Freund damals. Dann wurde ich eingeladen auf einen Film- und Spieleabend.

Kai: Malte hatte lange Haare und einen Zopf.

Malte: Wir haben an dem ersten Abend schon über Musik geredet, und Kai hat mir ein paar Beats und Tracks gezeigt. Ich war schwer beeindruckt von diesen Rap-Skills, yeah, hab ich mir gedacht: Krasser Typ!

Was mögt ihr aneinander?

Malte: Dass ich Kai so gut kenne. Das habe ich nicht mit vielen Menschen. Dass er sich die Zeit nimmt, sich mit Dingen auseinander zu setzen. Das vermisse ich oft bei Menschen. Ich hab das Gefühl, Leute machen sich nicht mehr so viel Gedanken, was sie wirklich machen wollen, was sie können und was ihnen gut tut. Kai macht das. Und er ist eine riesengroße Inspirationsquelle für mich. Immer wenn er da ist, schreibe ich wie ein Verrückter. Ich schätze sein lyrisches Können, sein Handwerk und die Hilfe, die er mir emotional gibt. Er ist eine krasse Säule in meinem Leben!

Ich stelle mir manchmal gerne vor, eigentlich könnte ich auf einer einsamen Insel leben mit einem Stück Papier und einer Gitarre und könnte alles alleine. Könnte ich aber nicht. Ich muss schon so … eh … dann sag ich das dem Kai, und dann sagt er, Malte, ja, so ist es halt, ist auch in Ordnung so.

Kai: An Malte mag ich, dass er voll sein Ding macht, manchmal ohne groß drüber nachzudenken. Das finde ich bewundernswert. Wenn er Gitarre spielt, ist er ganz er selbst. Dadurch kann er jeden begeistern.

Malte: Ich weiß, ich kann dem Kai was an den Kopf schmeißen, ich denke nicht immer so genau drüber nach, was ich sage und er nimmt das nicht so persönlich. Er macht nicht zu, sondern denkt über das nach, was ich gesagt habe. Deswegen fühle ich mich bei ihm so wohl.

Kai: Mir gefällt gerade das Übertriebene und Direkte, weil ich das nicht habe. Ich überlege lieber noch zehn Mal.

Malte: Normalerweise versuche ich immer, ein zuverlässiger Mensch zu sein. Wir hatten uns letzte Woche verabredet und ich hab mein Handy nicht angemacht, ich hatte einen freien Freitag und musste das durchziehen. Erst am Samstag ist mir eingefallen: fuck, du warst verabredet mit Kai!

Kai: Meistens passt das dann trotzdem. Es ist schön, dass wir uns diese Freiheit geben.

 

Gibt es etwas, das euch aneinander stört?

Kai: Ich denke sowieso, alles, was einen stört, hängt mit einem selbst zusammen. Mich stört manchmal, dass du mich von irgendwas überzeugst. Aber: selbst schuld, wenn ich zusage.

Malte: Wir schreiben mittlerweile viel zusammen, da stoßen zwei kreative Welten aufeinander, das ist so was todespersönliches. Wenn ich meine Idee von meiner Melodie habe und der Kai kommt mit seiner Melodie und die hat zwei Töne anders, das macht mich dann fuchsig.

Kai: Aber genau das macht auch Spaß.

 

Was verbindet euch?

Malte: Das Musik machen und dass wir uns kennen. Ich weiß um die Situation, in der Kai mit seiner Freundin in ihrer neuen gemeinsamen Wohnung ist. Ich bin schon etwas länger Single und hab nicht vor, mich zu verlieben. Nein doch nicht: ich verlieb mich gerne, ich verlieb mich im Schnitt so zweimal am Tag. (Beide lachen.) Wir wissen um unsere Phasen und Umbrüche. Aber die Musik ist immer da. Wir machen eigentlich nichts anderes zusammen. Wir gehen nicht ins Kino. Letztens waren wir zusammen tanzen, das war das erste Mal seit langer Zeit.

Kai: Im Gewölbe. Vorgestern. War sehr schön.

Malte: Ich hatte ganz lange kein Selbstbewusstsein beim Texten, das hat sich jetzt verändert. Das hat mit Kai zu tun. Weil er durch seinen früheren Rap vom Sprechgesang kommt und ganz anders mit Text umgeht. Für Kai ist Text ein sehr wichtiges Element bei seinen Songs, vielleicht sogar das wichtigste. Mittlerweile für ihn auch die Hook. Das war bei mir immer so: der Refrain muss geil sein!

Kai: Ich mag dieses „Wolf im Schafspelz“, dass ein Song äußerlich wie ein Popsong daherkommt, aber es ist viel mehr drin.

Malte: Kai sucht sich ganz viele Worte, die vom Rhythmus, der Farbe und den Vokalen zueinander passen. Wir schauen vorrangig nicht nach dem Thema, sondern danach, welche Vokale gut in die Stimmung eines Songs und zu dessen Melodie passen. Das ist diese musikalische Herangehensweise. Dann probieren wir mal aus: a, e , i, o, u. E geht sowieso meist gut, meistens sind es a und e. Selten ist es i. Und u ist auch brutal schwer zu singen, u ist einer der schwersten Vokale zum Singen. Du brauchst super viel Resonanzraum für U (beide uhen herum).

Kai: Ich komme vom Text und gehe jetzt zur Musik und du kommst von der Musik und gehst jetzt mehr zum Text. Wo sich das überkreuzt, treffen wir uns.

Malte: Wir haben beide denselben Plan, aber jeder verfolgt ihn etwas anders. Ich habe Kai einen Artikel über Paul Klee und Kandinsky geschickt, in dem stand, dass sie ein besonderes Verhältnis hatten. Der Klee, der experimentiert mit Farben, der knallt das da drauf, völlig frei, und Kandinsky ist ein schon fast notorisch organisierter Typ, der Formen braucht, um kreativ zu sein. Kai ist für mich so ein Freigeist. Der schreibt im Text: ich leg meine Hände ich deine, will mich verletzbar machen. Das würde ich mich niemals trauen! Das ist sehr verletzlich. Ob ich da hinterstehen kann, so eine Zeile zu singen? Kai singt die einfach.

Wenn ich Songs anfange, hab ich die Struktur und grob das Themenfeld im Kopf und auch schon eine Motividee, denn ich brauche auf jeden Fall direkt Akkorde. Kai schreibt Texte einfach so formlos vor sich hin, das würde ich niemals können. Kai fängt an, einfach wild drauf los zu schreiben, manchmal ohne Thema. So kann ich nicht kreativ arbeiten, ich brauche eine Struktur. Ich bin in meinem ganzen Leben so. Ich brauch immer einen Plan.

Kai: Aber du bist trotzdem ultra spontan und gehst 100 Prozent in den Moment rein. Ich halte ich mich oft in Situationen ein bisschen zurück, lass nicht ganz so los. Wenn ich zu dir komme, heißt es: Boar Kai, ich hab so ein neues Gesangsdings entwickelt oder boar, ich hab den Song auf so eine neue Art gesungen, es ist so fett! Dann denke ich: ja geil!

Malte: Aber ich brauche den moderaten Kai als Gegengewicht.

Kai: Als wir das erste Mal einen gemeinsamen Song geschrieben haben, war es ungewohnt, beide ein Recht dran zu haben. Früher war es mir wichtig: das hab ich gemacht.

Malte: Und dann zu sagen: das ist jetzt nicht nur meins. Gerade bei diesen persönlichen Songs, die auch Gefühle verarbeiten.

Kai: Wenn man Musik macht, dann sind die Songs das, was du bist. Dadurch kriegt man die Anerkennung. Davon was wegzugeben und zu teilen, das ist ein Schritt.

Malte_Kai_1

Hattet ihr Krisen?

Malte: Früher war ganz klar geteilt: ich mach die Melodie und Kai schreibt die Texte. Dann hat Kai auf einmal gesagt: „Ich studiere jetzt Musikmanagement“. Das war ein Problem für mich: das Bisherige bricht auf. Ich hatte das Gefühl, der nimmt mir jetzt mein Ding weg. Ich habe lange dafür gebraucht, zu begreifen, dass das eigentlich was Tolles ist, was wir miteinander teilen können, dass das noch mehr ist.

Als Kai dann zum Studium in Saarbrücken war, entdeckte er die Esoterik oder dieses offenere Denken für sich. Ich hab Jura gemacht und dachte, vielleicht ist diese Businesswelt doch was für dich, Anzug und Krawatte und immer yeah produktiv und produktiv, hab da irgendeinen komischen Film geschoben.

Irgendwann waren wir bei M. in Ulm, standen vor so einem Club. Die Stimmung zwischen uns Dreien war ganz anders als früher. Weil M. und ich die Entwicklung, die Kai in Saarbrücken gemacht hat, einfach nicht mitgemacht haben.

Kai: Und auch Bolivien. (Kai hat dort ein Jahr verbracht)

Malte: Weil bei ihm so viel passiert ist. Und du warst voll auf der Suche! Auch mit deinem Papa (Kai lernte seinen Vater erst mit 19 Jahren kennen). Bei Kai war irgendwas, das habe ich nicht verstanden. Ich habe es ihm genau so gesagt: Kai, bei uns ist irgendwas richtig schlecht. Das geht so nicht weiter. Du hast gesagt, dass du gerade mit mir auch nicht klar kommst. Dass es nicht so ist, wie es sein sollte. Man will ja, dass man sich gut versteht.

Wir haben lange geredet und Dinge angesprochen, die man nicht jedem Menschen direkt sagt. Auch sehr kritische Aussagen. Dadurch entsteht auf einmal eine Ehrlichkeit, die nicht mehr weggeht. Großes Vertrauen.

Kai: Wir haben beide gesehen, dass es kein Ende bedeuten würde –

Malte: nein, nein, nein!

Kai: – sondern wir haben gemerkt, es geht jetzt einfach nicht. Wir haben uns das gesagt und uns in den Arm genommen und sind dann tanzen gegangen.

Malte: Ja, voll! Das war ein richtig schöner Abend.

Kai: Wir haben es rausgetanzt.

 

An welches besondere gemeinsame Erlebnis erinnert ihr euch?

Malte: Bei mir sind es zwei. Einmal dieses Gespräch, in dem wir das erste Mal hundertprozentig ehrlich zueinander waren. Das war der Schlüsselmoment, warum wir jetzt zusammen so gut kreativ sein können. Du brauchst Menschen, bei denen du frei und auch verletzbar sein darfst. Dass du darauf vertrauen kannst, dass nichts Schlimmes passiert. Dass so eine Blase entsteht in dieser Welt, in der viel schief läuft. Da brauchst du eine Blase, in der du ans Gute glaubst.

Der andere Moment ist, als wir das erste Mal 50:50 einen Song geschrieben haben. Jeder zu gleichen Teilen Musik gemacht und zu gleichen Teilen den Text geschrieben. Das ist der Fahrradsong.

Kai: Vor zwei drei Jahren haben wir gesagt: wir verbringen Silvester hier in Maltes Bude zu zweit. Mitten in der Innenstadt. Es knallt um uns herum. Wir kochen uns was Schönes, trinken uns einen schönen Rum, da haben wir die ganze Nacht –

Malte: – wir haben 5 Tracks in einer Nacht geschrieben und produziert.

Kai: Bis fünf, sechs Uhr morgens, alles fertig. Das kam einem damals so richtig besonders vor, dann gab es aber das ganze Jahr über solche Abende.

Malte: Wenn der Kai vorbeikommt, mach ich mir meinen Kopf frei, lege mein Handy weg. Blatt, Papier, Gitarre. Früher haben wir nur am Computer gehangen. Jetzt brauchen wir das nicht mehr. Medien lenken ab.

Kai: Wir haben uns frei gemacht. Ich dachte, wir brauchen den Computer, wir brauchen die Aufnahmen, aber es ist viel schöner, wenn wir einfach an den Gitarren sind, Ideen kriegen und verwerfen.

 

Plant ihr etwas Gemeinsames für die Zukunft?

Malte: Ja. Wir wollen im Sommer ein paar deutsche Städte abklappern und dort Musik machen. Letztens hatte ich mit dem CEO von Kaimusikrecords (beide lachen) ein Gespräch, denn ich möchte dieses Jahr eine Single releasen.

Kai: Dass wir beide unsere Musikkarriere vorantreiben, dass wir davon leben können und uns dabei gegenseitig unterstützen.

Kai: Wir kennen uns gegenseitig und wissen um unsere die Stärken und Schwächen. Wir haben Vertrauen, Hilfe anzunehmen und Dinge abzugeben, weil wir wissen, das ist in guten Händen. Zusammen ist man stark.

 

 

 

4
0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.