Was bleibt, ist die Veränderung

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Im letzten Jahr starb nach schwerer Krankheit meine frühere beste Freundin.

 

Kimmo Pohjonen fettesleben

Ehemalige Freundinnen und Freunde trafen sich bei der Trauerfeier, manche zum ersten Mal seit vielen Jahren.

Bald darauf schrieb mich meine frühere finnische Freundin an, dass sie nach Köln zu einem Konzert eines finnischen Musikers komme (von dem ich noch nie gehört hatte) und vorher würde sie mich gerne auf einen Kaffee treffen. Das hat mich gefreut – auch zwischen uns war irgendwann Funkstille. Weil wir einen bestimmten Konflikt immer wieder hatten. Und dann aufgehört haben, den Kontakt zu halten. Spontan kaufte ich mir für das Konzert von Kimmo Pohjonen eine Karte, ohne mir die Musik überhaupt mal anzuhören. Dann erfuhr ich über den Newsletter des Filmforum NRW, dass zwei Tage vor dem Konzert der Dokumentarfilm soundbreaker (von Kimmo Koskela) gezeigt wird.

 

 

Den habe ich mir angesehen. Er hat mich in in Gefühle und Gedanken entführt, die mich tief bewegt haben. Die fantastische Akkordeonmusik. Kimmo Pohjonens freier Umgang mit dem Instrument. Die verrückten Experimente, die er macht: Musik mit Landmaschinen? Geht’s noch? Sein Weg vom konventionellen Akkordeonspieler zum eigenen kreativen und ganz neuen Umgang mit dem Instrument und zur Komposition von Musik. Er setzt seine Stimme ein, nachdem er jahrelang nach einer Erfahrung als Kind in der Schule dachte, er könne nicht singen. An einer Stelle im Film sagt Kimmo Pohjonen, ob es für ihn das Richtige sei, was er mache, merke er daran, dass er sich dabei wohl fühle. So einfach kann es sein?

 

Das Konzert in der Kölner Philharmonie war die Premiere seines neuen Programms “Ultra Organ” mit Akkordeon, Orgel, Orgel Samples, Stimme und Performance. Mir war es teilweise zu elektronisch. Viel wurde eingespielt (Sounddesign: Tuomas Norvio) Es gab eine laute Passage mit hämmernden dröhnenden Klängen, bei der die Musiker selbst nicht spielten, die einige Leute zum Rausgehen brachte. Die Lichteffekte (Licht- und Bilddesign: Otso Vartiainen) waren beeindruckend. Eine Zeitlang leuchteten weiße Scheinwerfer mit schmalen Strahlen, in denen sich Nebelwolken (die vorher auf die Bühne kamen) zeigten und bewegten, dazu ganz wenige leise Klänge – das erzeugte eine meditative und eindringliche Stimmung.

Kimmo Pohjonen in Köln

Immer wieder gingen Leute heraus, aber diejenigen, die bis zum Schluss blieben, waren begeistert. Die Aufführung war für mich eine ungewöhnliche und interessante Erfahrung, die ich nicht missen möchte.

 

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5 Kommentare
  • Gernot Steinweg
    April 4, 2017

    Danke für diesen Beitrag. Darf ich ihn zitieren?

  • Sabine
    März 20, 2017

    Ich mag sehr gern Akkordeon-Musik und habe mir gleich einiges von Kimmo Pohjonen angeschaut, das meiste ist mir aber zu modern und experimentell. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie man als Künstler dahin kommt, aber für mein ungeübtes Laien-Ohr ist es schwierig. Lohnt es sich trotzdem, den Film anzusehen?

    • Claudia
      März 20, 2017

      Liebe Sabine, ich finde schon. Die Musik spielt zwar im Film eine große Rolle und auch mein Sohn, der Musiker ist, konnte damit nicht so viel anfangen – aber besonders berührend ist auch sein Weg als Künstler, wie er sich aus Traditionen befreit hat und seinen eigenen Weg gefunden hat. Außerdem ist er sehr sympathisch und erzählt einige schlaue Sachen 🙂 Und es gibt Bilder zu sehen, die man so schnell nicht vergisst. Viele Grüße, Claudia

  • Michael
    März 17, 2017

    Das uralte Kriterium des Sich-Wohl-Fühlens funktioniert immer noch. Der Trailer vermittelt “fette Lebensfreude”. Nehmen wir uns reichlich davon!

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